Vielleicht entsteht hier ein Buch. Ein Buch, dank dem der Interessierte erfahren kann, wie es ist, wenn sich eine Hand voll Menschen dem Ziel widmen einen Permakulturhof aufzubauen und zu betreiben. Den passenden Titel habe ich bereits:
1. Kapitel
Die Glessemühle ist ein vieh- und landwirtschaftlicher Betrieb, welcher sei 300 Jahren im Besitz der Familie Begemann ist. Um so tragischer, dass in der Mitte des Jahres 2011 der letzte Agrarwirt durch einen Unfall ums Leben kam. Der Betrieb wurde danach in Teilen verkauft und verpachtet. Auf dem letzten Drücker, wie am Niederrhein gesagt wird, bzw. genau passend, wie ich es sehe und auch so schnell?!, wie meine Frau Beate das wahrnimmt, kamen wir auf den Plan, um die wesentlichen Hofgebäude mit 2,8ha Wiesen- und Waldfläche zu pachten, damit wir zum Einen erfahren können, ob uns ein bäuerliches Leben zusagt und, zum Anderen, um, so uns dieses Leben gefällt, den Hof später erwerben zu können.
Nachdem Frau und Kinder des durch die Folgen des Unfall verstorbenen Herrn Begemann bereits schon ausgezogen sind, werden zum Ende des Jahres hin auch die Eltern, welche zwischen 70 und 80 Jahre auf dem Hof, der seit dieser und seit noch viel längerer Zeit das Zuhause für die Familie Begemann war, auch ausziehen. Unser Angebot zu bleiben wurde dankend abgelehnt. Am 19. und 20.12.2011 ziehen die beiden Herrschaften in eine Eigentumswohnung - Gott sei dank! - in Bad Pyrmont.
Auf den Hof gekommen bin ich letztlich ein paar Wochen zuvor. An einem Tag im November spazierte ich mit einem Freund, beide einen Kinderwagen mit den Söhnen schiebend, durch diegütersloher Innenstadt. Spätestens während wir ein Ladenlokal zu betreten suchten, fiel mir wieder einmal mehr auf, wie egoistisch, wie unbewusst viele Gütersloher ihren Mitmenschen gegenüber reagieren. Frauen, die, wie sie im durch mich initiierten Gespräch mitteilten sich früher selbst darüber geärgert haben, dass ihnen niemand die Tür aufhält, ließen die Tür direkt vor uns zufallen. Sie wären so mit sich beschäftigt gewesen. Logisch.
Wie anders erlebten wir das Miteinander dann kurz darauf in Kempen am Niederrhein! Wir, Beate, Lutz und ich, waren zu Besuch meiner Oma, welche bereits 100 Jahre auf dieser Erde weilt. Und als wir dann mit meiner Schwester und ihrer Frau einen Spaziergang in der Altstadt machten, wurde Beate und mir gewahr, um wie viel wie freundlichund anteilnehmender das Miteinander hier ablief.
Als wir wieder Zuhause waren, frug ich abends im Bett meine Frau:
"Wie willst du unseren Sohn heranwachsen sehen? Hier in Gütersloh unter Menschen, die so gierig, so sehr im Trott sind, dass sie gar nicht merken, wie sie sich selbst und anderen im Wege stehen oder in einer Gemeinschaft von Menschen, die freundlicher miteinander umgehen?"
Beate brauchte etwas, um diese schwerwiegende und tiefgreifende Fragezu beantworten. Doch letztlich kamen wir überein, dass wir beide lieber in einer Gemeinschaft aufwachsen möchten, in der sich die Menschen gegenseit ig mehr wertschätzen und helfen.
Am nächtsen Tag setzte ich mich morgens, wie ich es stets handhabe, an den PC. diesmal schaute ich nicht nach den üblichen Nachrichten und Informationen zum politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Geschehen, sondern ich gab die Begriffe "Bauernhof, Lebensgemeinschaft" bei Znout ein.
Als Treffer fand ich einen Link zum Anzeigenteil der Zeitschrift "Schrot & Korn" mit der Insertion, dank der sich unser Leben grasvierend ändern wird und auch schon erheblich geändrt hat, gefolgt von einem Link zu einem vorgeblich öko-sozialen Projekt - zu dem nur jene eingeladen sind, die genug Geld mitbringen - in Kempen meiner Heimatstadt und ein weiterer Link zu einer interessaant erscheindnen Möglichkeit.
Ich schrieb sowohl den Inserenten der Anzeige in der Schrot und Kor, als auch die Gemeinschaft an, wleche das Mehrgenerationen-Projekt in Kempen voranbringen. Von letzteren hörte ich gar nicht erst wieder. Die Antwort der Dame, welche in der Schrot und korn inseriert hatte, las sich so interessant, dass ich sie gleich anrief.
Elke, wir kamen schnell ins "Du", wolle dazu beitragen, dass der Hof als solcher erhalten oder sogar wieder in Betrieb genommen würde. Sie selber habe kein weiteres Interesse. Beides glaubte ich ihr. Da jedoch schon jemand interessiert sei und die Gespräche auch schon weiter fortgeschritten wären, wäre es sicher hilfreich, wenn ich mich so zeitnah wie möglich melden würde. Gesagt, getan.
Reiner, der noch lebenden Sohn der Senioren, antwortete mir direkt im "Du", was mir auch schon wieder sehr angenehm war. Auch nach dem ich seine Mail gelesen und reflektiert hatte, rief ich sofort an. Und auch dieses Telefonat habe ich als besonders warm und angenehm empfunden.
In der Zwischenzeit frug ich bei einer Freundin und meiner Schwester an, wie großt das Interesse sei mit uns dorthin zu ziehen. Und erlebte eine Ernüchterung. Beide seien aktuell desinteressiert. Uff. Nun bin ich jemand, der sich dessen bewusst ist, dass diese Antworten sehr wahrscheinlich aus dem Bauch heraus getroffen wurden. Also telefonierte ich nach.
In beiden Gesprächen kam heraus, dass das Geld der ausschlaggebende Bremser sei. Ich beleuchtete die Möglichkeiten, die sich vor kurzem ergeben hatten und bot an, dass wir alle gemeinsam nach Glesse fahren könnten, um eine Entscheidung auf Basis umfassenderer Informationen treffen zu können. Auch hier folgte dem Wort die Handlung.
Gerne hätte ich meine Tochter Ana mit dabei gehabt. Doch kam es anders. Vera und Sonja waren inzwischen so interessiert, dass sie, wie unsere Freundin, Natalie, am 12.11.2011 mit nach Glesse fahren wollten. Natalie war unsere "erste Wahl", weil wir glaubten, dass sie in der Bewusstseinshaltung und in der Gewichtung Ihrer Interessen, wie auch der Art der Lebenseinstellungen eher zu uns passen würde. Und genau sie, konnten wir nicht erreichen, als es darum ging, wann wir in Gütersloh abfahren wollten. Einen Tag lang suchten wir mit ihr zu sprechen. Doch sie lag darnieder und konnte nicht telefonieren. Veronika und Sonja aber "konnten" mit.