Guten Morgen!
Ich weiß nicht mehr, wer dieser Freund war, doch das Erlebnis hat sich bei mir eingebrannt. Damals sagte ich darauf, dass der andere zwar per Gesetz müsse, doch das dies nicht bedeute, dass das Gesetz auch eingehalten wird und dass ich ein "Danke schön." als sinnvoll erachte.
Vor ein paar Jahren hört ich dann das erste Mal an Stelle eines "Gern geschehen!" ein "Nicht dafür."
In Spanien hat sich dies sogar landessprachlich breit gemacht. "De nada." (mehr oder weinger "Dafür nicht" "Für nichts.") ist, zumindest ist es mir gerade so bewusst, die einzige Möglichkeit dem Dank verbal und zu begegnen.
Heute erleben wir überall und immer mal wieder ein Verhalten , das daraus möglicher Weise resultiert:
Undank.
Autofahrer, die vorgelassen werden; Fußgänger, denen die Tür aufgehalten wird; Menschen, denen andere in den Mantel helfen möchten.
Ja, viele bedanken sich!
Doch es scheinen mir mehr von denen geworden zu sein, die sich nicht nur nicht bedanken, sondern im höflichen Handeln, sogar eine Beleidigung erkennen möchten und gereizt bis unhöflich reagieren.
"Aufklärung um jeden Preis" hat sicher mit dazu beigetragen. doch vielleicht auch das unbedarfte Nutzen von Worten, die zweideutiger sind, als ein einfaches "Gern geschehen!"?
Was kann es außerdem in uns sein, dass dazu beitragen kann, dass manche Menschen sich nicht oder seltener bedanken?
Drücken wir täglich unsere Dankbarkeit aus?
Sagen wir im Geiste "Danke dafür, dass ich das Leben führe, was ich führe."? Bedanken wir uns bei anderen?
Bedanken wir uns für den Wohlstand den wir haben oder erleben wir diesen als ungenügend?
Bedanken wir uns für die Beziehung, die wir haben oder betrachten wir sie als ungenügend?
Bedanken wir uns bei uns selbst für das, was wir machen und den der wir sind, oder betrachten wir uns als ungenügend?
Es kann schon genügen, wenn wir uns und unsere Eindrücke, als nicht bedankenswürdig erleben.
Genau das kann schon der Flügelschlag eines Schmetterlings sein, der ganz woanders einen Orkan auslöst.
Floskeln, wie "Nicht dafür." haben sich breit gemacht. Sie sollen Ausdruck für Großzügigkeit sein.
Manchmal werden sie auch an Stelle für das Überdenken und dem Annehmen der Wertschätzung einer großzügigen und dankenswerten Handlung genutzt.
Die Intention, der Geist aus dem etwas entsteht, zählt. Das ist meine Meinung. Doch das Erleben anderer zählt auch, oder?
Sind sich andere immer, oder auch nur oft, darüber bewusst, dass ein "Nicht dafür." als Zeichen der Großzügigkeit gedacht ist? Ich war es mir, als ich es im Alter von ca. 38 Jahren in deutscher Sprache das erste Mal erlebte, nicht. Ich war verwundert.
Was ist mit dem Kind, das mitbekommt, dass ein "Danke schön!" mit einem "Nicht dafür." begegnet wird? Erkennt es darin das Annehmen von Dank oder die Ablehunung von Dank? Kann es den Sinn der Großzügigkeit erkennen? - Vielleicht die eigenen Kinder. Doch was ist mit fremden Kindern?
Was ist mit Menschen, die gar nicht daran glauben, dass sie selbst wertvoll und ihre Existenz, wie auch ihr Tun, dankenswert sind? Können sie an Hand eines "nicht dafür." erahnen, dass sie es doch sind?
Hier wird in manchem Bewusstsein eines Beobachters Freundlichkeit abgelehnt. - Freundlichkeit!