Guten Morgen!
Ich singe wieder! Seit drei Wochen. Und ich erlebe dabei in mir noch mehr Freude und Begeisterung als vorher.
Gesang zu hören kann erfreuen, es kann Begeistern. Wer weint nicht, wenn er Paul Pott lauschen kann?
Selber zu singen ist etwas sehr Schönes. Auch, wenn ich mich sicherlich nicht mit diesem phantastischen Sänger verlgeichen kann. Trotzdem ist das Selbersingen auch sehr beflügelnd. Auch hier habe ich früher oftmals geweint. Allerdings war das eher dann der Fall, wenn im Liedtext ausgedrückt wurde, was ich gerade durchlebte.
In einer Gruppe mitzusingen ist auch etwas Besonderes. Es ist wieder ganz anders, als dem Gesang zuzuhören oder mitzuträllern.
Vor zwei Jahren, ungefähr, war ich schon einmal in einem Chor. Ich, der es als Jugendlicher gehasst hat zu singen. "Chor" hatte für mich auch vor vor zwei Jahren noch etwas, dass mit Kirche, zumindest aber mit "Spießern" zu tun hat. Etwas, das ich ablehnte.
Der Chor, Mezzoforte, in den ich damals in Halle bei Bielefeld eintrat, hatte öffentlich bekanntgegeben, dass er ein "Pop-Projekt" startet und dafür Sängerinnen und Sänger sucht. Naja. Einen Versuch ist es immer wert dachte ich und blieb über ein halbes Jahr am Ball.
Ich erlebte während dieser Monate eine schöne Zeit. Chorarbeit ist generationsübergreifend. Ja, ich erlebe es schon, dass überwiegend die Älteren und Mittelalten, solche Leute in meinem Alter, im Chor singen. Liegt wohl an der Art der Lieder, die gesungen werden. In Chören sind "sogar" junge Erwachsene und Jugendliche dabei, wenn Poplieder gesungen werden. - Hört, hört!
Das erlebe ich nun, zum zweiten Mal, während ich bei einem Chor mitmische. Der Chor "Zwischentöne" aus Gütersloh ist nun die angnehme Runde, in der ich wieder mitsinge. Als Bass.
Gestern Abend war es wieder so weit. Chorprobe. Vormals, also außerhalb dieser Chorarbeit, habe ich nie erlebt, dass gemeinsames Singen eine gleiche Verbundenheit erzeugt, wie ein Seminar oder Arbeitskreis zum Thema "Bewusstseinswandel".
Wenn ich in diesem Chor singe, oder auch wenn ich den anderen zuhöre, spüre ich so intensiv, dass ich lebe, dasss wir miteinander verbunden sind, wie ich es nur erfahren habe, wenn ich in der Gruppe aktiv an Veränderungen in mir gearbeitet, oder es beim Sex erlebt hatte.
Doch selbst der Orgsamus, der für mich über Jahrzehnte das absolute Hochgefühl war, nach dem ich strebte, hat es schwer dabei mitzuhalten, wenn die Liebe beim Singen aus mir herausströmt.
Probiert es aus! Chor = für Spießer? Es ist wohl der ein verkappter Spießer, der so etwas denkt.
Im Chor fühle ich die Musik. Ich fühle, wie sie mich bewegt und, wenn ich mitsinge, wie ich sie bewege. Ich sehe Lieder, auch mit geschlossenen Augen, wie sie sich entwickeln werden. Ich höre sie zum ersten Mal. Und danach schließe ich die Augen und weiß, welcher Ton, wie gesungen werden will.
Allerdings verhält es sich, wenn ich mitsinge, noch nicht zwangsläufig dem entsprechend.*grins*
Das Ablesen des Textes ist für mich Konzentration und wenn ich mich konzentriere, bin ich noch nicht gleichzeitig offen für den Fluss der Musik, für die natürliche Gefühlsentwicklung. Und wenn ich das nicht bin oder fühle, kann ich noch nicht erleben, wie das Lied sich gleich anhören und anfühlen wird.
Manchmal erlebe ich das ich auch deswegen den Ton daneben treffe, weil ich dem wundervollen Gefühl nachgehe, dass ich gerade erlebe. Ich singe dann meine interpretation des Gefühls...
Geh einmal hin und probier es selber aus! Singen, für mich im Chor, ist pure Lebensfreude. Vorausgesetzt wir singen das, was mir gefällt.
Liebe Grüße
Axel
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