Guten Morgen!
Das Thema, ob jemand oder etwas Schutz oder Hilfe braucht, weil er leidet, ist sehr komplex und die Einstellungen hierzu scheinen festgefahren zu sein. Das ist auch logisch. Denn ich erleb den anderen immer auch in Relation zu meinen Einstellungen.
Habe ich mich als Kind verletzt/gelitten und habe ich im Nachhinein nicht begriffen wie wichtig und hilfreich diese Erfahrung war, ist es mir schwerlich möglich Leid als etwas Wichtiges, Hilfreiches, Sinn- und Wertvolles anzunehmen.
Ich, für meinen Teil, kann schreiben, dass ich froh um jeden leidvollen Moment bin, den ich erlebt habe. Heute, bin ich zum einen froh, dass ich gelitten habe und erlebe nun, dank der Veränderung meiner Einstellung, Momente die ich früher mit Leid erlebt hätte nur noch sehr selten, als Leidvoll.
Wieso?
Ich kam zu der Erkenntnis, das alles auf der Welt neutral ist und mein Leid oder eben meine Freude davon abhängen, ob ich die Dinge, Menschen und Umstände, die ich erlebe ablehne oder annehme.
Alle denkensfähigen Lebenwesen scheinen das Neutrale stets einzuschätzen. Eine Gazelle wird, wenn sie einen Löwen sieht - des Menschen Meinung nach - die Situation um so gefährlicher erachten, wenn der Löwe näher ist und sich entsprechend verhält, als wenn er weit weg liegt und döst.
Ein Elchkuh versteckt sich, bei Gefahr, auch schon einmal hinter einem Baumstamm, der gerade mal ihren Kopf verdeckt. sie wäöhnt sich dann in Sicherheit. Damit zu vergleichen ist nicht nur das Beispiel eines kindes, dass sich die Augen mit der Hand verdeckt und glaubt nicht mehr gesehen werden zu können, da es andere/s nun selber ausgeblendet hat.
So ähnlich erschaffen wir uns alle die Illusion der Sicherheit. Wir beobachten und schätzen voreingestellt unsere Umwelt ein und kommen auf Grund unserer Erfahrungen zu den fast schon immer gleichen Ergebnissen. wir verstecken uns sinnbildlich hinter hochgehaltenen Händen oder Baumstämmen. wir verschließen die augen vor anderen Möglichkeiten und machen usn somit blind, für die restliche Realität, die wir nicht sehen können, weil wir sie nicht erblicken.
Und genau so, schätzen wir auch ein, dass es ein objektives Leid gibt und sind der Meinung, dass es völlig real ist und es somit jeder nachvollziehen können muss.
Denkfehler
Das ist auch der Denkfehler, der zu der Meinung führt, dass irgendetwas oder irgendjemand vor Leid geschützt werden müßte.
Wenn ich den Weg bis zu meinen eigenen klinischen Tod, den Tod mir nahe stehender Menschen, eigene Krankheiten und die Krankheit anderer, wie auch selbst und fremd erlebter leidvoller Situationen im Nachhinein als sinnvoll ansehen kann, verändert sich die Relation des objektiven Leids. Es wird subjektiv, also relativ.
Wenn der Tot oder die Erkrankung, beispielsweise an Krebs, objeltiv immer objektives (also für alle auch das gleiche Maß) Leid beinhalten würden, dann müßte jeder Mensch diese Situationen immer als Leid, als genaus so leidvoll erleben, wie es jeder andere auch tut.Doch so weit denken wenige, wie mir scheint.
Ich denke, dass jeder weiß, dass ein Mensch anders leiden kann als ein anderer. - Eben mehr oder weniger. - Und trotzdem veranlasst uns dieser Fakt nicht dazu auch davon auszugehen, dass das subjektiv empfunden Leid, kein objektiver Fakt sein kann.
Wenn es aber Menschen gibt, die mit Situationen verschieden umgehen, sie sogar, im wahren Sinn des Wortes! feiern, dann trifft es eben nicht zu, dass Tot oder Krebs (Krankheit) prinzipiell ein Leid sind und somit immer als leidvoll erlebt werden müssen.
Es gibt Naturvölker, die feiern den Tot, weil sie eine völlig andere Weltvorstellung haben. Sie bedanken sich für die Zeit, die sie mit dem Toten verbringen konnten, feiern diese und wünschen dem Toten viel Freude auf seinem weiteren Weg.
Auch Krankheit kann in der gleichen Art anders, als Weg, erkannt werden, auf dem ich selber bestimmen kann, ob und in wie fern ich leide.
Was hält einen Menschen davon ab, diese sinnvolle Einstellung anzunehmen? A N G S T .
Eigene Erfahrungen
Hatte ich früher einen Schnupfen, so erlebte ich ihn oft mit der sinnähnlichen Gedankenfolge "Och nö... Schon wieder BIN ich krank. So´n Scheiß. Ich will jetzt nicht!" Ich lehnte als sinnlos und lästig ab, was ich erlebte. Dementsprechend habe ich gelitten.
Heute erlebe ich Schnupfen, alle anderen so genannten Krankheiten und auch das was ich außedem wahrnehme, völlig anders. Ja, ich leide auch Heute noch machmal. - Damit meine ich, dass ich noch Schmerzen fühle. - Allerdings gehe ich mit Krankheit und Schmerzen mittlerweile anders um, was dazu führt, dass ich meinen Körper weniger und kürzer als krank und meine Schmerzen als weniger schmerzhaft erlebe.
Alles Einstellungssache?
Ich weiß es nicht. Doch ich denke, dass es sich so verhält.
Zur Zeit erlebe ich, dass es immer MEINE Einstellung zu irgendetwas ist, die dazu führt, dass ich es dem Potential nach als Leid oder Freude einschätze und also auch entsprechend erlebe.