Guten "Morgen"! - Wieder einmal habe ich fast nicht mitbekommen, wie es früher Nachmittag geworden ist.
Hertie ist insolvent. Abgesehen davon, dass es in der Tat Sinn machen kann, sich damit zu beschäftigen, dass Innenstädte anders (und vielleicht auch sinnvoller) wie als Einkaufszentren zu nutzen sein könnten (wie wäre es mir einem Zentrum als Treffpunkt für Bürger um sich gemeinsam zu erleben?), erlebe ich auch hier wie sehr wir unserem Erfolg im Weg stehen, wenn wir weiter fixe Preise fordern.
Der Vermieter vieler Ladenlokale von Hertie fordert 20% des Umsatzes der Firma Hertie. - Und auch hier gilt es einen Nebenaspekt zu beachten: Andere Vermieter fordern 5%! - Nun erlebt er, dass Hertie seine Miete evtl. nicht mehr zahlen kann und steht nun vor der Frage einer Nachvermietung. Und so ergeht es vielen Vermietern. Egal ob im Wohnungsmakrt oder im Wirtschaftssektor. Die Mieten werden, aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten Jahren drastisch fallen.
Klar, in früheren Zeiten war das kein Grund sich zu fragen, ob die Immobilie eine die geforderte Miete wert ist, da an jeder Ecke zehn Unternehmen standen, die anmieten wollten. Doch wie sieht es Heute aus?
So könnte es gehen
Mit dem KletterKubus verfolge ich, unter anderem, auch ein völlig neues Vermietmodell. Ich bitte um eine Basismiete und darüber hinaus um eine Umsatzbeteiligung. Beide Mietanteile sind verhandelbar. So kann jeder in den Genuss der Anmietung kommen, der plausibel darstellen kann, dass er es sich auch leisten kann, bzw. können wird.
Eigenlob (Schulter-Klopf-Maschine eingeschaltet):
Das Interessante bei mir ist, dass mich das Geld erst zweitrangig interessiert. Die Ökologie, sprich auch Soziologie ist für mich das Hauptkriterium. So habe ich z.B. einen potentielen Interessenten abgewiesen, der sich nicht daran beteiligen wollte, seine Dienstleistungen unter sozialeren als den aktuellen Gesichtspunkten anzubieten. Eine Miete von 2500m² habe ich in den Wind geschlagen, weil meine Werte nicht käuflich sind und ich nicht mehr Profit auf anderer Leute Kosten mache. Lieber verzichte ich. Ich bin kein Mensch, der ab einem bestimmten Preis seine Werte über Bord kippt.
Was machen die Akteuere in der Marktwirtschaft?
Wie sieht es bei Hertie aus? Wie sieht es bei dir aus? Oftmals sicherlich genau so, wie es wahrscheinlich bei vielen aussieht, bzw. wie es in spätestens sechs Monaten bei vielen von uns aussehen wird: Die Kosten sind auf der Streichliste und weitere Einnahmequellen werden gesucht.
Utopia
Was wäre denn, wenn alle Preise verhandelbar wären? Stell dir vor, ein Produkt kostet, bis es dem Kunden angeboten werden kann, es sämtliche Kosten abdeckt und der Unternehmer auch noch einen Gewinn übrig hat 10,00 €.
Und nun bietet der Unternehmer dieses Produkt zu einem Vorschlagspreis von 15,00 € und einem Mindestpreis von 5,00 € an. Zu gewagt? In Ordnung. Ich erlebe es zwar anders, doch machen wir eine andere Rechnung auf: Das Produkt wird für 15.00 € Vorschlagspreis und zu 10,00 € Mindestpreis angeboten.
Und nun stell dir vor, dass sich jeder Kunde bewusst ist, wie sozial der Unternehmer damit handelt, dass der Kunde erkennt, welchen Nutzen er, der Kunde, dadurch hat und, dass er, der Kunde, auch selber sozial handeln möchte. - Ich weiß, 100% der Menschen sehen sich als sozial denkende und handelnde Menschen an und meinen dass manche oder sogar die meißten Menschen asozial denken und handeln. Vertrau mir, oder befasse dich mit den Forschungen des Verhaltenökonoms Dan Ariely, der sich mit diesem Phänomen ausgiebig befasst und in diesem Bereich ebenso umfassend experimentiert hat. Sein aktuelles Buch "Denken hilft zwar, nützt aber nichts" zeigt auch auf, wie vorhersagbar Menschen mit den Aspekten Ehre und Betrug umgehen. - Ok, du möchtest nicht über andere urteilen. Dann geh bitte nur von dir aus, oder evtl. noch von ein paar nahe stehenden Verwandten und Freunden:
Würdest du abzocken oder würdest du ehrbar handeln? Würdest du sagen "Geiz ist geil!" und ein Schnäppchen auf anderer Leute Kosten machen, oder würdest du fair einkaufen und mit dem Preis sogar noch dein soziales Engagement untermauern?
Ich erlebe, dass es geht
Ich erlebe es mit meinem eBook, dass meine Idee realisierbar ist. Ich biete es zu einem Vorschlagspreis von 25,00 € und einem Mindestpreis von 15,00 € an. Und meine Kunden, die ich persönlich oft nicht kenne, bieten mir für die elektronische Datei im Schnitt über 20,00 €. Und die Mehrzahl zahlt diesen Preis dann auch. - Wie bei fixen Preisen auch (der eine klaut, der andere zahlt seine Rechnung nicht), zahlen manche auch nicht. Und auch bei mir zahlen manche manchmal mehr (Ja, auch das gibt es in der üblichen Welt der fixen Preise.).
Ich habe mich dazu entschlossen, in keinem Fall zu mahnen. Ich erinnere einmal freundlich an die offene Rechnung, bitte um Rechnungsausgleich und biete zusätzlich an, dass der Kunde so zahlen kann, wie er es möchte.
Was hindert also andere daran, es mir gleichzutun?
Ihre Angst etws verlieren zu können. Und das scheint auch berechtigt zu sein. Schließlich verlieren viele von uns gerade überdurchschnittlich viel. Oder verlieren sie überdurchschnittlich viel, weil sie Angst haben?
Was ist, wenn sie deswegen so viel verlieren, weil ihr Erleben als Hinweis dafür angenommen werden kann, dass es für sie nicht mehr direkt hilfreich ist, also über die erlebte Krise als Umweg noch immer hilfreich ist, so weiter zu machen, wie bisher?
Und wie ist es möglich, dass in der Krise auch jene gewinnen könnne, die ehrbar denken und handeln? Vielelicht, weil sie vertrauen und damit andere Möglichkeiten nutzen, als die Masse?